Tag 21

 

Tätigkeitsverbot

 

Flucht ausgeschlossen. Also bleiben wir hier!


Heute hatte ich einen newsfreien Tag. Was mir allerdings genauso wenig bekommt, wie ein newsvoller Tag. Denn ohne den tsunamiegleichen Infostrudel aus dem Netz, fühlte ich mich wie in einer Schneekugel gefangen.


Obwohl die News zur Zeit traumatisch sind, sind mir traumatisierende News lieber, als das Vakuum der Kugel.


Doch was möchte ich mit diesen News? Ändern kann ich nichts. An ein spontanes Globalhealing glaube ich nicht. Sensationslust? Bin ich ein Gaffer? Ich überlege kurz ... nein, bin ich nicht. Fülle ich mit den News die Ohnmacht, die in mir wächst? Schon ehr.


Wir haben Klopapier, Zewa, Feuttücher und einen Sauerstoffkonzentrator. Bin ich damit schon ein Prepper?


Verzeiht die Aufzählung und ja, ich will damit ein wenig posen!


Be prepared!


Egal was ich mache, die innere Unruhe bleibt. Wird diese Unruhe angestachelt durch das in uns verhaftete Fluchtverhalten? Die Evolution zwingt uns zum Überleben. Rein genetisch bedingt.


Fight or Flight.


Kämpfen können wir uns sparen. Bei Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern würde nur eine Feuerwaffe einen Vorteil bringen. Und anders als in den USA sind Schusswaffen nicht frei verkäuflich. Was uns somit auch die Warteschlange vor dem Gunshop erspart.


Wer will schon einen Faustkampf oder einen Schusswechsel? Zur Zeit reicht schließlich auch ein benutztes Papiertaschentuch zusammengeknüllt und zu einem Bällchen geformt als Waffe. 


Die Grenzen sind geschlossen, was den Fluchtgedanken direkt stoppt. Wir könnten irgendwo in der tiefsten, menschenleeren Eifel zelten. Ich kann jetzt nur von mir sprechen ... da ich bislang zum Glück nur ein traumatisierter News Zuschauer bin und in meiner eigenen kleinen Schneekugel noch keine Pandemie passiert, bin ich noch nicht bereit, auf die Annehmlichkeiten von Kühlschrank, Badezimmer und kuscheligem Bett zu verzichten. Global ist Krieg und uns hier geht es gut. „Gut“ hatte Anfang März aber auch noch eine ganz andere Definition.


Jetzt bedeutet „Gut“ wir sich gesund, sicher und versorgt.


Das perfekte Zeitfenster das Ego zu entrümpeln.


Was ja auch nur lohnen würde, wenn die gewonnen Erkenntnisse nach der globalen Krise gelebt würden. Da habe ich bei mir so leichte Zweifel. Die Entrümplung würde mich sicherlich einen langen Zeitraum beschäftigen ... ich habe in den letzten Jahren viel Lebenserfahrung angesammelt und mein Verhalten hat sich dadurch bestimmt nicht immer zum Besten gewandelt.


Entrümpel ich mein Ego oder entrümpel ich die Küchenschublade?


Mein Vater wohnt im Pflegeheim - Pflegestufe 4 - brillant versorgt bei den Cellitinnen - viel Lebenserfahrung - wenig News. Ich zitiere ihn: „Der Virus ist so ein kleines Tier und hat die ganze Welt im Griff. Wie klein und machtlos wir Menschen doch sind“.


Ich wünsche Euch einen angenehmen Tag.


Und auch die beiden brandaktuellen Worte zum Abschied erspare ich Euch nicht.


Bleibt gesund.

 

Sonntag, 5. April 2020

 
 
Erstellt auf einem Mac

Weiter >

< Zurück